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2024

Leopardo statt Gottardo

Stamm

Laterne

Beatrix Elliker

Zeedel

Willsch ins Tessin in d Ferie fahre,
kasch theoretisch sehr vyyl Zyt yyschpaare,
wenn de, statt über dr Gotthard di z quäle,
duesch aine vo de drey Tunnel wähle.
Dur e Basistunnel goot’s rasant
unterirdisch durch s Urnerland,
nur duesch bi dääre Variante in Wasse
s Kirchli laider grad dreymool verbasse.
Mechtsch die schöni Landschaft gniesse
und Fotteli vom Kirchli schiesse,
denn wurd y dir dringend empfähle
d Panoramastreggi z wähle.
Dien Lärm und Abgas di nit stööre,
fahrsch uf dr A2 durch die erschti Röhre.
Mit Bahn oder Auto kunnsch so bequem
und schnäll in Süde, ganz ohni Problem.
Wie gsait, theoretisch isch das richtig,
doch in dr Praxis erwyyst’s sich als nichtig,
denn s wär naiv, me wurdi hoffe,
die Tunnel sygen alli immer offe:
Vo dääne isch, wie uns d Wirkligkait lehrt,
maischtens mindeschtens aine gschperrt.
Scho am ene normale Wuchenänd
staut dr Verkehr sich permanänt,
an Oschtere, Pfingschte und am Bündelidaag au,
goot’s nit unter zwölf Kilometer Stau, 
denn s basse die ändloose Blächlawine
aifach nit in dä ängi Tunnel yyne. 
Drzue kunnt’s zue Unfäll, wo’s dätscht und kracht,
und schnäll isch au e Brand entfacht,
denn sperrt d Bolizey dr Tunnel grad ganz,
usser für d Füürwehr und d Ambulanz.
So muesch halt in Göschenen oder Airolo
die Karre fir e baar Stund schtoo loo,
und in ere Baiz oder eme Grotto
e Röschti go ässe oder e Risotto.
So Vorfäll sinn scho fascht normal,
doch im letschte Summer wird’s katastrophal,
will im Basistunnel e Zug entglaist,
von ere Firma, wo DB Cargo haisst.
D Glais sinn blockiert vo Schrott überall,
öbbe dausig Tonnen Altmetall,
drum ka me dr Tunnel, will s Zyt brucht zem Butze,
e Joor lang nur beschränkt benutze.
E Monet spöter wird s Chaos perfekt,
wil me im Stroossetunnel Riss entdeckt
in dr Decki, wo dr Beton bröckeliwyys
uf d Fahrbahn gheit, dasch zymlig myys,
drum het me us Sicherhaitsgründ beschlosse,
au die Röhre blybt bis uf Wyteres gschlosse.

Kuum wird das Sujet interessant,
wird y plötzlig, s isch allerhand,
vom Sujetobmaa informiert,
as s Comité d Umsetzig nit akzeptiert,
denn me haigi grossi Bedänke,
dr Cortège über e Umlaitig z länke,
drum wird uns, was aim dr Verstand schier raubt,
das Sujet schlussändlig nit erlaubt.
Do hilft weder däubele no proteschtiere,
mir mien laider dr Plan B aktiviere:
So begraabe mir also s Thema “Gottardo”
und s Sujet haisst neu jetzt: “Leopardo”.
Y find’s nit luschtig, ka nit drüber lache, 
was die mit eme bloggde Dichter mache: 
Jetzt hann y, verglemmi, s isch nit übertriibe,
dr halbi Zeedel über s falsche Sujet gschriibe,
und muess wiider neu vo vorne starte,
aber das Mool goot’s um Leoparde.

Bim Grzimek und bim Brehm kasch lääse,
Leoparde syge stolzi Wääse,
wo me in Asie und in Afrika
in dr Savanne beobachte ka,
wie sy, im hooche Gras versteggt,
guet tarnt, so ass me sy fascht nit entdeggt,
geduldig warte, e mänggi Stund, 
bis e Härde Gazälle in d Nööchi kunnt.
Denn gumpe sy us em Verstegg plötzlig uuse,
und bysse d Gazälle ins Gnigg, s’isch zem Gruuse.
Doch d Natur isch so uf unsrer Ärde:
Frässe oder gfrässe wärde.
Leoparde sin aigetlig grossi Katze
mit eme gschäggete Fäll und kreftige Tatze,
spitze Kralle und scharfe Zehn,
wo unter strängem Naturschutz stehn.
In Dütschland aber git’s Leoparde,
nit nur im Zoologische Garte, 
sondern au, mit Helm und Gwehr,
in Dienschte vo de Bundeswehr.
Doch die sinn scho alt und laufe an Krugge,
drum hänn sy au alli e Zwai uf em Rugge.
Me wurd sy am liebschte, wil’s wenig däät koschte,
verschängge an gueti Fründ im Oschte, 
was aber nur goot, y waiss nümm gnau, wysoo,
wenn me d Erlaubnis drfür vo dr Schwyz däät bykoo.
Dr Bundesroot sait: “Nai! Hänn ihr im Hirni e Sprysse,
die könnte am Änd jo no öbber bysse!
Das wänn mir nit, das wär fatal,
mir Schwyzer sinn nämlig sträng neutral”.
In Berlin wird tobt, me fühlt sich bschisse,
d Schwyz liess Solidarität vermisse
und Mitlaid mit dänen arme Dier
und mit de Fründ im Oschte, denn die sinn stier,
drum wär’s für sii am beschte,
sy bekäme die Leos gschänggt vom Weschte.
Doch dr Bundesroot blybt stur: “Uns isch alles egal,
denn d Schwyz, die isch und blybt neutral!
Mir hänn anderi Sorge, drum löhnt uns in Rueh!
Uns kümmeret nur ains: Dr Gotthard isch zue!”

Zem Abschluss, bevor y d Schnuure halt,
möcht y no sage, ass neumeduure halt
die Leoparde, dasch für mi kai Froog,
e völlige Saich sinn, und so woog
y z behaupte, das erfräch ych mi, 
“Gottardo” wär’s s bessere Sujet gsi.
Aber “Wär gsi”, das isch, nach Langescheidt,
Konjunktiv Vergangehait,
und nur, was “isch”, isch woor, und s zellt,
nur was me im Indikativ Präsens verzellt,
drum sag y zem Schluss no, was Fakt isch,
au wenn das zimlig bekackt isch:
Am Cortège laufe mir wie die Dumme
jetzt halt alli als Leoparden umme, 
und nämmen als bitteri Erfahrig mit:
Ganz “vogelfrey” isch d Fasnacht nit.

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