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2023

Kohl of Duty

Stamm

Laterne

Beatrix Elliker

Zeedel

In letschter Zyt, scho syt mehrere Joor, 
kunnt’s aim bim Zyttigslääse amme so vor,
als gäb‘s überhaupt nüt Guets meh uf Ärde
und s könni nur no schlimmer wärde.
Bim Färnseh luege und Radio loose
hört me nur schreckliggi Zuekunftsprognose
vo Pandemie, Krieg und Katastrophe,
so ass me kuum meh ruhig ka schloofe. 
Mit em Wohlstand syg’s jetzt bald verby,
me stellt sich uf Mangelwirtschaft yy,
wo’s weniger het, aber meh duet koschte,
und d Ursach, so haisst’s, die liigi im Oschte,
und zwoor in Moskau, wo dr Putin regiert
und die ganzi Wält an Abgrund fiehrt.
Denn stelle d Russe d Pipelines ab,
wird s Öl und s Gas bi uns schnäll knapp;
wenn denn d Araber sich no waigere
ihri Ärdölförderig dütlig z staigere,
und s Ärdgas us em Nordseegrund
nit emool bis Dütschland kunnt,
wil d Skandinavier ohni sich z schämme
alles für sich sälber nämme,
denn verschlimmeret sich d Versorgigslaag
erschreckend schnäll vo Daag zue Daag:
Denn hämmer kai Gas meh zem Koche, 
kai Benzin meh im Tank,
kai Strom meh zem Wäsche 
und kai Gäld meh uf dr Bank.
So isch es in jedere Wirtschaftskrise:
Wenn s Aagebot sinkt, denn styyge d Pryyse.
Doch ohni gniegend Energyy
wird unser Alldaagslääbe glyy
zimlig schnäll an Raiz verliere,
wenn ohni Haizig mir dehaime friere
und mit eme digge Pulli und wullige Sogge
in dr kalte Stube ummehogge,
wo au romantischs Kerzeliecht
d Situation nit besser miecht.
Strom und Gas kriege d IWB-Kunde
denn nur no zue bestimmte Stunde
und in strikt begränzte Mänge,
do hilft kai Deubele und Zwänge. 
S ainzig Gas, wo me nit rationiert,
isch das, wo d Verdauig produziert;
dr Grund für söttigi Emissione
isch vor allem dr Verzehr vo Bohne, 
wo im Maage dien afo gäre,
womit mir bim Thema Ernährig wäre. 
Nüt verdirbt aim d Stimmig schnäller
als nüt zem bysse uf em Täller,
und hesch nüt z dringge in dym Glas,
isch das schlimmer als Mangel an Strom und Gas.
Stell dir vor, s wär kataschtrophal,
du stoosch im ene Lade vor lääre Regal:
S het kaini Kokosnüss meh us Tunesie,
kai Palmöl meh us Indonesie,
s het kaini Banane meh us Afrika,
wil wäge dr Inflation me die nümm zahle ka,
und spanischi Orangsche und Zitrone
dien wägem EU-Zoll sich nümme lohne.
Dr Klimawandel isch tschuld am Manko
an Avocado, Papaya und Mango;
sogar Dattle und Kiwis us Israel
findsch kaini meh im Früschobschtgschtell.
Dr Ryys us China kasch vergässe,
wil d Chinese dä jetzt sälber ässe.
Wägem Krieg in dr Ukraine
kunnt vo dört kai Getraide me yyne,
und us Russland sinn dr Kaviar
und dr Wodka Mangelwar.
Au Räucherlachs us Kanada
het’s syt langem kain me ka.
Kurz: Es fähle, grob gschetzt, guet zwai Drittel
vo unsere wichtigschte Nahrigsmittel.
Mir hänn Joorzähnti lang gläbt im Überfluss,
hänn nur dänggt an Spass und Gnuss,
und plötzlig haisst’s, was kaim duet gfalle,
mir miesse dr Gürtel änger schnalle,
oder mir göhn als Alternative
agrarpolitisch in d Offensive,
und dien, statt d Nahrig z importiere,
jetzt alles sälber produziere.
In dr Not, das lehrt uns d Gschicht,
wird Landwirtschaft zur Bürgerpflicht.
Im letschte Krieg hänn d Aidgenosse
nit vyyl Munition verschosse,
sii hänn stattdesse Häddöpfel pflanzt
und sich im Réduitbunker verschanzt:
Dört hänn sy mit Röschti und Pommes frites
gwartet uf e besseri Zyt. 
Während dääre Aabauschlacht
het me d Gränze sträng bewacht,
ass sich d Schwoobe nit getraue,
bi Nacht und Nääbel Gmiess go z klaue.
So het d Schwyz dangg Lauch und Rande
dr zwaiti Wältkrieg überstande.
Genauso sött me’s wiider mache,
in jedere Stadt und im hinterschte Grache.
Mir gryffe zum Spatte und verwandle wacker
d Claramatte in e Riebliacker,
dr Horburgpark wird zem Garte,
wo Grienzüüg wachst in allerlai Arte:
Artischogge, Gurke, Kopfsalat,
Tomate, Kürbis und Blattspinat.
Mir mache au us dr glainschte Matte
e Sellery-Ziibele-Rotkrut-Rabatte,
und hinter jedem Hyysli
pflanze mir Fänchel und Radyysli.
Zem unsri Plantaasche vor Schädling z schütze
dien mir tonnewyys Insektizid versprütze.
Sinn bald alli Gletscher gschmolze,
dien mir no dr letschti Wald abholze
und mache us jedem Fläckli Ärde
schöni neui Schrebergärte.
Nur so wärde mir als Nation wiider stark
und als Selbschtversorger voll autark.
Wenn mir fertig sinn, denn könne
mir uns Ferie in dr Karibik gönne, 
am Strand uns erhole vom Krampfe,
unter Palme Crevettecocktail mampfe,
uns Ananassaft ins Gleesli giesse
und e Guayabasorbet gniesse:
So könne mir alli Sorge vergässe
und ändlig wiider mol ganz normal ässe.

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